Montag, 7. Oktober 2019

Spät, aber Ersti ... ich bin tatsächlich Studentin!

Ja, es ist tatsächlich soweit: 

Mutti ist Studentin.




Seit dem 01.Oktober 2019 bin ich offiziell Studentin der Universität Potsdam für das Lehramtsstudium Primarstufe. Wenn es auch aufgrund von Zeitmangel und viel Leben eher sporadisch sein wird, nehme ich euch gern mit auf meinem Weg durch das Studium hin zum Lehramt als zweifache Mutter. Es wird eine Reise und sicherlich einiges zu berichten geben.


"... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne"

Ich habe in meiner gesamten Schulzeit den Anfang eines neuen Schuljahres immer geliebt: die Motivation nach den Sommerferien ist hoch, es herrscht eine gewisse Vorfreude, alles ist noch sauber und neu und unbeschrieben und scheint verheißungsvoll nach jeder Menge Wissen und neuen Dingen zu rufen. Diese "Neujahrseuphorie", wie auch rund um Silvester konnte ich mir durch meine bisherige Lehrtätigkeit im künstlerischen Nachmittagsbereich auch weiter bewahren.

Dieses Jahr fühlte sich alles etwas komisch an, denn das Schuljahr 2019 begann bei uns in Brandenburg bereits Anfang August und für mich bereits etwas dezimierter. Keine Schul-Kurse mehr und schon leicht dezimierte Schüler im Klavierunterricht, da ich ja ab Oktober sowieso einiges anders gestalten müsste und mir neben Flexibilität für meinen Stundenplan auch Zeit fürs Lernen einrechnen müsste und den Haushalt muss ich auch anders strukturieren als die letzten Jahre.

In den letzten zwei Monaten hatte ich das Gefühl, etwas zu "schwimmen". Ich wusste, was als nächstes kommen und passieren würde, aber bis es soweit war, fühlte es sich einfach noch unwirklich an. Als könne jeden Augenblick jemand hinter der nächsten Ecke hervorspringen und mir ein hämisches "Du und studieren? Als ob!" entgegenschleudern könnte.


Vorbereitung ist alles. Oder?

So gern wollte ich mich schon möglichst weit im Voraus mit meinem künftigen Studium befassen und vorbereiten. Aber wie? Erfahrungsberichte Frauen, die bereits mit Kindern in ein Lehramtsstudium starten, fand ich so gut wie gar nicht. Auch allgemeinere Erfahrungen auf Blogs oder Youtube sind gefühlt rar gesäht und durch die Umstellung vom Staatsexamen auf Bachelor und Master auch nicht immer so wirklich umsetzbar. Also hieß es an dieser Stelle: abwarten und dann eigene Erfahrungen machen.

Zumindest ein paar Dinge konnte ich vorbereiten. Ich setzte mich schonmal mit der Studienordnung auseinander - bzw. den Studienordnungen, da es für die drei Teilbereiche meines Studiums jeweils eine eigene gibt -, druckte aus und markierte, sah mir die empfohlenen Studienverlaufspläne an, an denen ich mich natürlich möglichst orientieren wollte, und schrieb mir ins blaue hinein schonmal Pläne. Sobald Mitte September die Vorlesungsverzeichnisse online waren, versuchte ich mich an einem Stundenplanbau - und scheiterte erst einmal an der Fülle von Informationen. Ich musste erst einmal verstehen, dass es nicht nur Teilbereiche für meine verschiedenen Module gibt, sondern diese Teilbereiche auch nochmal meist aus meherern Seminaren und Vorlesungen bestehen. Und dass ich diese nicht zwingend in einem Semster belegen muss, was gut ist, denn die ersten Konflikte im Stundenplan waren bereits ersichtlich.

An ein paar Stellen wuchs meine Unsicherheit und die Fragen so sehr, dass ich beherzt in der Uni anrief um genauer nachzufragen. Ich bekam eine Antwort, aber auch ein hörbares Schmunzeln am anderen Ende der Leitung.

"Warten Sie mal die Einführungsveranstaltungen ab und genießen Sie noch die Ruhe der vorlesungsfreien Zeit".
"Danke, aber ich bin Mutter. Ich habe keine Ruhe und ich brauche einen Plan."

Nunja, ich ließ also den Stundenplan erstmal Stundenplan sein und versuchte, mich etwas zu entspannen.


Es geht los!

Letzte Woche Dienstag war es dann soweit: Mein erster Tag als Studentin. An der Uni Potsdam beginnen die Vorlesungen erst am 14.Oktober, bis dahin werden Einführungsveranstaltungen und Tutorien rund um den Studienstart angeboten.

Mein erster Tag war vollgepackt mit den Einführungsveranstaltungen zu meinen drei schon vorhin erwähnten Studienteilen: Grundschulbildung/Bildungswissenschaften, Deutsch und Musik. Nun ist es nicht so, dass ich dann später nur Deutsch oder Musik unterrichten werde. In der Grundschulbildung, welche den größten Studienteil ausmacht, werden Grundkompetenzen in allen grundschulrelevanten Fächern vermittelt und abgeprüft.

Meinen vorher improvisierten Stundenplan habe ich zuhause gelassen und das war auch gut so, denn es zeigten sich doch nochmal einige Missverständnisse und auch Änderungen. So lagen zwei Vorlesungen plötzlich an einem anderen Tag als noch zwei Wochen zuvor, die Fachwissenschaft Deutsch soll bitte - auch wenn anders in der Studienordnung als empfohlen beschrieben - erst im zweiten Semester belegt werden. Ja, manche Informationen bekommt man dann doch nur persönlich, wenn es losgeht.

Mein Stundenplan steht nun im Großen und Ganzen, angemeldet habe ich mich über das Online-Belegungssystem nun auch schon. Ein empfohlenes Seminar werde ich jetzt definitiv noch nicht machen, da es mit meiner Arbeit nicht hinhaut und ich Änderungen an der Stelle etwas langfristiger planen möchte.
Offen sind noch zwei Musikkurse (Musiktheorie und Klavier), die morgen eingeteilt und mit Zeiten vergeben werden. Und - nicht ganz unwesentlich - die Frage, ob ich mein Tagespraktikum an der Schule in diesem oder dem nächsten Semester machen werde. Das wird am 10.Oktober erst ausgelost und damit kippt dann nochmal ein bisschen was, da ich dann den kompletten Mittwoch in einer Schule sein werde und die dort liegenden Vorlesungen erstmal nicht besuchen könnte.

So ganz klärt sich das also erst Ende der Woche und nächsten Montag geht es dann auch schon wirklich los. Morgen fahre ich also nochmal zur Uni zur Einteilung der Musikkurse und will mich auch nochmal genauer auf dem Campus und in der Bibliothek umschauen. Durch die Musikeinteilung schaffe ich es leider nicht zum Tutorium "Studieren mit Kind", lasse mir da aber Infos von einer "Mitmutti", die kein Musik hat, mitbringen.

Ich gehöre jetzt - dank Semesterticket - auch wieder zur bahnfahrenden Gesellschaft.

Wo wir schonmal beim Sozialen sind ...

Ich habe an meinem ersten Tag auch schon etwas Anschluss mit drei weiteren "älteren" Studentinnen (zwei davon auch Mütter) gefunden. Eine kannte ich bereits von der Eignungsprüfung für Musik und die hatte die anderen beiden per Blickkontakt "an Land gezogen". Das ist in unserem Fall gar nicht so schwer, denn uns erkennt man in der Masse der jungen Hüpfer, die gerade frisch von der Schule oder aus dem Auslandsjahr kommen, sehr gut an den reifen Gesichtszügen und dunklen Schatten unter den Augen.

Mitstreiterinnen zu haben, die in ähnlichen Lebenssituationen stecken und mit ähnlichen Herausforderungen zu tun haben wie ich, freut mich sehr und schenkt mir ein bisschen Ruhe. Ich bin nicht allein mit meinem Vorhaben und wir werden uns gegenseitig Mut und Halt geben und auch mal  beieinander ausheulen und rummotzen können und dabei verstanden werden. Denn ja, ein wenig Bammel habe ich schon vor dem, was ich mir da vorgenommen habe zu meistern und da helfen die vielen Sprüche à la "Ach krass, das wird bestimmt heftig" und "Ich würde das ja nicht machen wollen" und "Ich habe das schon ohne Kinder kaum geschafft" nicht weiter. Ich schwanke ein wenig zwischen "Wie soll ich das nur schaffen, so ein Vollzeitstudium neben Kindern, Haus und Arbeit?" und "Ich bin doch nicht die erste, die sowas macht", tendiere aber immer schneller zu letzterem hin. Denn ja, ich bin nicht die Erste und ich werde nicht die Letzte sein.

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