Dienstag, 21. November 2017

Die letzten Tage als Einfach-Mama

Unglaublich aber wahr: 
ich befinde mich mitten in den letzten Tagen der Schwangerschaft.


39+1

Lange kann es nicht mehr dauern, das Ende ist absehbar. 
Schon bald wird mein Bauch, dieser schöne große Kugelbauch, den ich dieses Mal noch mehr liebe als beim ersten Mal, wieder leer sein. Das Leben, das seit neun Monaten in mir heranwächst, wird dann nicht mehr in mir strampeln, pulsieren, Schluckauf haben - sondern viel besser: in meinen Armen liegen und mich ansehen. Das ist jetzt, wo ich ja bereits ein Kind habe und tatsächlich weiß, was das bedeutet, ein ganz unglaubliches Gefühl der Vorfreude. Und dieses Mal kann ich diese Vorfreude auch tatsächlich auskosten. 




Rückblick zum Mai 2014 bei 38+0

"Oh, der Muttermund ist aber schon schön weich. Es könnte jederzeit soweit sein. Aber es kann auch noch zwei Wochen dauern."

Klar, dass ich den letzten Satz meiner Ärztin schon gar nicht mehr wirklich vernommen habe, oder?
Und genau mit diesem sollte sie dann recht behalten.
Es waren die längsten zwei Wochen meines Lebens. 
Jedes Ziehen und Ziepen und Drücken habe ich versucht zu interpretieren und mir mit Uhrzeit und Dauer in einem Notizbüchlein notiert. Nichts tat sich.
Was hatte ich keine Lust mehr. Dabei war die Schwangerschaft an und für sich prima und komplikationslos. Nur heftige Wassereinlagerungen in den Füßen und Beinen machten mir zu schaffen. Zusätzlich zur Ungeduld fühlte ich mich immer unwohler, wollte in den letzten zwei Wochen gar nicht mehr raus und mich irgendwem zeigen, wollte kein "Wann ist es denn soweit?", "Deine Füße sehen ja schlimm aus" oder "Sicher, dass es nicht doch Zwillinge sind?" mehr hören. Ich schwänzte deswegen auch die Geburtstagsfeier meiner Schwägerin und die Babyparty der Freundin meines Schwagers. Es war mir einfach alles zu viel und ich war das Warten leid, verbrachte den Tag auf dem Sofa mit warten und stricken und warten. 


Zurück zum November 2017

In dieser Schwangerschaft bin ich wesentlich entspannter und zugleich fitter und agiler. Mein Mann betont immer wieder, wie erstaunlich viel ich noch mache und schaffe und dass mir diese Schwangerschaft offensichtlich viel leichter fällt. Wahrscheinlich liegt das in der Natur der Sache, dass es eben nicht das erste Kind ist und sich die Welt und der Alltag eben nicht nur um das noch Ungeborene kreisen. Alles muss wie gewohnt weitergehen, Kind und Tiere müssen versorgt werden, der mittlerweile um einiges größere Haushalt muss bewältigt werden. Und es klappt prima. 

Schlimmer ist es diesmal mit den Wassereinlagerungen. Meine Füße und Beine sind seit September dauerhaft aufs Extremste aufgedunsen und sehen aus wie aufgeblasene Schwimmtiere. Bei manchen Bewegungen merke ich das stark, habe mich aber auch daran gewöhnt und keine Schmerzen. Es ist halt lästig und unschön, macht mir aber trotz der Ausmaße weniger aus als vor dreieinhalb Jahren.
Ebenso wenig macht mir nun die Warterei auf das Einsetzen der Geburtswehen etwas aus. 
Beziehungsweise: Ich warte einfach nicht.
Natürlich freue ich mich schon sehr auf mein Kind und kann es an und für sich kaum erwarten, dass es endlich losgeht und ich das Wunder der Geburt ein weiteres Mal - und dieses Mal mit der Besonderheit der Beckenendlage - erleben darf. Ich freue mich tatsächlich darauf und fiebere dem entgegen. Aber ich sitze nicht da und warte darauf, dass es losgeht.

Stattdessen genieße ich die Stunden des Tages, an denen ich das Haus und die Zeit für mich habe. Genieße die Ruhe und Selbstbestimmtheit, die ja bald erstmal wieder für eine Weile nicht mehr an der Tagesordnung sein wird. Ich lese und stricke und trinke Himbeerblättertee, schaue mir dabei Dokus über Geburt und Babys und Erziehung an, bewundere das Rumoren in meinem Bauch, putze und räume immer mal wieder für ein halbes Stündchen um mich dann wieder hinzusetzen und auszuruhen. Gestern war ich sogar mitten am Tag in der Badewanne - was für eine Dekadenz ;)


Am Nachmittag freue ich mich dann auf die Rückkehr des Lieblingsmannes mit dem Tochterkind. Bis letzte Woche habe ich sie immer noch selbst vom Kindergarten abgeholt, nun gönne ich mir auf den letzten Metern den Luxus, zuhause auf beide zu warten. Dann genieße ich die gemeinsame Familienzeit zuhause - mein Job und seine zeiten führen ja leider dazu, dass das im normalen Alltag unter der Woche so gut wie nicht stattfindet. Wir reden und malen und basteln, essen gemeinsam zu Abend und ich bringe die Kleine/Große mit Sandmann und Geschichte lesen ins Bett.


So vergehen die Tage. 
Bisher noch kein konkreteres Anzeichen auf die baldige Ankunft unseres Babybärs. 
Aber es könnte jederzeit beginnen. 

Was für freudige, wundervolle, 
entspannte und gleichzeitig aufregende 
Tage es doch sind.

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