Mittwoch, 21. Oktober 2015

Lass das mal den Papa machen [Eine Liebeserklärung]

Schon so lange spukt mir dieser Artikel im Kopf herum. Ehrlich gesagt schon seit so ziemlich genau einem Jahr. Da kamen wir gerade aus unserem ersten großen Familienurlaub zurück und hatten ein halbes Jahr Elternsein hinter uns. Nun, zwölf Monate später, gehört er wirklich geschrieben - und es gibt noch viel mehr zu sagen als damals. Das mag ich heute gern mit euch teilen.



Gedacht habe ich mir diesen Beitrag ursprünglich als Plädoyer für den heutigen Mann und Papa, als einen Aufruf dazu, die Papas einfach mal machen zu lassen, nicht immer nur auf dem Mamaprivileg rumzureiten. Am Ende wird es vor allem eins: eine Liebeserklärung.

Dies soll keine Belehrung werden, kein "Seht her, wie toll ich es habe", kein "Was macht ihr denn für einen Mist". Ich bekunde meinen größten Respekt vor allen, die ihr Kind/ihre Kinder allein oder auch nur getrennt erziehen, die weder die schwierigen als auch die wunderschönen Momente auf die Weise teilen können, auf die es glückliche Paare tun können. Das macht ihre Leistung als Eltern nicht kleiner, sondern umso bemerkenswerter. Und auch diejenigen, die in ihrer Partnerschaft nicht (mehr) glücklich sind, denen die Probleme des Alltags so sehr um die Ohren wachsen, dass sie kaum noch wissen, was genau sie einander bedeuten, sollen sich hier nicht vorgeführt vorkommen.

Manchmal habe ich das Gefühl - so beim zuhören und lesen anderer Mütter - dass es viele gibt, die ihre Kinder selbst zu reinen Mamakindern erziehen. Bewusst oder unbewusst.
Sätze wie "Das muss ich selbst machen, der Papa kriegt das nicht hin" oder "Ich kümmere mich dann um beide Kinder, der Mann ist damit überfordert" finde ich wirklich traurig. Sicherlich mag es auch mal ein männliches Exemplar geben, das sowohl in seinen Kompetenzen als auch seinem Interesse etwas eingeschränkt ist was die Kinder betrifft. Aber so gehäuft? Da brech ich doch mal eine Lanze für die Papas!





















Neun Monate lang ertragen sie uns werdende Mütter mit allen Wehwehchen und Launen, sehen unser teils enormes Wachstum in alle Richtungen, hören unser nächtliches Schnarchen, schieben uns in Spitzenbauchzeiten die Treppen hoch, stecken viel zurück.
(Hier und im Folgenden übrigens nur meine eigenen Erfahrungen ;) )

Neun Monate lang sind sie Zeuge dessen, was sie mit erschaffen haben: ein neuer Mensch. Ein du und ich. Ein wir. Aber eben nur von außen. Wenn es gut läuft und das Timing stimmt, dann können sie die ersten Tritte fühlen, sie können beim 3d-Ultraschall bestaunen, dass da ja wirklich ein menschliches Wesen in ihrer Liebsten wächst. Aber so wirklich begreifen, was da passiert und was das für Folgen für das eigene Leben hat, das lässt sich nicht. Wir werdenden Mütter spüren immerhin das erste Flattern und unser Baby an jedem Tag. Aber diese Ahnung haben ja nichtmal wir!


Dann ist es soweit, das kleine Wunder wird geboren. Vom Vater wird gesellschaftlich mittlerweile
fast schon erwartet, mittendrin statt nur dabei zu sein. Auch ich finde das wichtig und für den Lieblingsmann gab es gar keine andere Alternative. Aber das muss jedes Paar selbst entscheiden.



Für uns war die Geburt und auch die Tage danach ein wahrer Traum. Wir waren die ganze Zeit zusammen, haben das große Glück Tag und Nacht teilen können dank Familienzimmer in dem Krankenhaus, in dem auch der Mann das Licht der Welt erblickte. Er nahm mir so viel ab und sorgte dafür, dass ich mich ganz auf die Umstellung und Heilung konzentrieren konnte. Er war es, der mit dem weinenden Kind im Zimmer auf und ab ging, der es zu den Untersuchungen ins Schwesternzimmer brachte, der sich um die vollen Windeln kümmerte. Ich selbst habe mein Kind das erste mal nach vier Tagen gewickelt, als wir zuhause angekommen waren. Zwei Wochen noch war er bei mir zuhause und hat mir alles abgenommen, was mir zu viel war, während ich mit dem schlummernden Kind auf der Brust herumlag oder stundenlang stillte. Aber auch von Anfang an hatte er seine exklusive Papa-Zeit: beim Kuscheln, später beim Fläschchen geben und (bis auf drei Mal) immer beim Baden. das war bei uns immer schon Papa- bzw. Chef-Sache ;)

Der Chef ist hier natürlich Madame Katz :D

Die ersten zwölf Wochen waren hart bei uns. Krümelchen schrie und schrie und schrie.
Wir haben das Leid und die Anstrengung geteilt, uns an den seltenen ruhigen Momenten erfreut und in jedem einzelnen Augenblick geliebt. Uns und sie.


Für mich als Freiberuflerin gab es keine klassiche Elternzeit, sondern die Sommerferien. Danach bin ich wieder in meinen Beruf zurückgekehrt. Der Mann hat ein Jahr lang Elternteilzeit auf 30 Stunden genommen, so konnten wir beide Zeit mit dem Krümel erleben - ich am Vormittag, er am Nachmittag. Wenn es mir mal wirklich zu viel wurde, schnappte er sich die Kleine und fuhr zur Oma, um mir zwei-drei Stunden Schlaf und/oder Selbstbestimmung zu ermöglichen.


Immer hat er es ertragen, tausend Prozent seiner Liebe zu geben und doch zu sehen, dass die offensichtlich größte Wichtigkeit eben doch die Mama ist. Denn sie hat ihren Körper geteilt und hergegeben, sie hat das Kind im Bauch genährt und tut es auch danach, sie hat eine körperliche und seelische Verbindung, die nur durch Schwangerschaft zu erreichen ist. Mama eben. Aber die Papa-Zeit, die kommt auch. Aber man muss sie auch lassen.


Mir war es immer sehr wichtig, meinem Mann in seiner anfangs neuen und ungewohnten Aufgabe als Papa voll und ganz zu vertrauen und ihm nicht ständig auf die Hände zu schauen. Natürlich, es liegt wohl meist in der Natur schwangerer Frauen, sich auf die ein oder andere Art auf ihre künftige Aufgabe vorzubereiten: wir lesen Ratgeber, durchstöbern das Internet, reden mit erfahrenen Müttern. Wir beschäftigen uns schon vorher ausführlich über Stillschwierigkeiten, Babypflege, die richige Nährstoffzusammensetzung beim Brei und welche Farbe und Konsistenz des Windelinhalts was aussagt ... mal etwas übertrieben, aber auch nicht ganz weit von der Wahrheit entfernt, ausgedrückt.

Da muss man sich auch mal überwinden und dem Mann, der für das Leben des kleinen Augapfels beträchtlich mitverantwortlich ist, einfach mal eben dieses anzuvertrauen. Ohne "Das musst du aber so und so machen" und "Ich habe aber gelesen, dass man das heute ganz anders macht".
Dann wird das Baby eben mit den Häschengriff und Feuchttüchern gewickelt, in scheinbar unmöglicher Haltung das Fläschchen gegeben, es für den eigenen ängstlichen Mutterbedarf viel zu hoch (oder überhaupt) geworfen und schläft mit Hose, Shirt und nacktem Bauch. Auch Papas haben Instinkte, darauf müssen wir vertrauen! Auch wenn sie nicht immer unserem eigenen entsprechen :)

Ich plädiere für selbstbestimmte Papas, die ebenso wie wir Mütter die Chance bekommen, ihren Weg zu finden und ihre Erfahrungen zu machen. Und auf ihre Chance, ein großer und wichtiger Teil im Baby- und Kinderleben zu sein. Kinder brauchen ihren Papa. Der Krümel wäre nicht so perfekt und vollkommen ohne das Mitwirken und die Liebe ihres Papas. Und auch wenn ich jetzt so viel geschrieben habe, wird niemals alles gesagt sein, was ich fühle und für beide empfinde. Aber ihr anderen Muttis kennt das bestimmt :)





Mein liebster Schatz, du bist der wundervollste Vater, den ich mir für unser Krümelchen vorstellen könnte. 
Du zeigst ihr die Welt, gibst ihr und mir Sicherheit, Geborgenheit und unheimlich viel Liebe - selbst in den Momenten, in denen du selbst nicht daran glaubst. 
Danke für alles. 
Auf unser Leben, unsere Familie, die nächsten Jahre und noch mindestens ein weiteres. 
Kuss!

Verlinkt bei Mittwochs mag ich

Kommentare:

  1. Männer machens anders- aber das heisst nicht, dass das falsch ist.
    Männer machen anders richtig!
    Schöne Bilder!

    AntwortenLöschen
  2. Oh, was für ein wunderbarer Text - und sooooo wunderbare Fotos!
    :-)
    Lieben Gruß
    Mara Zeitspieler

    AntwortenLöschen
  3. Ach Mensch *-* Zunächst einmal: Das sind wirklich zauberhaft schöne Fotos, die eine tolle Vater-Tochter Beziehung zeigen :) Dein Post ist wundervoll geschrieben! Ich kann mir vorstellen, dass dein Mann von deinen Worten sehr gerührt war :)

    AntwortenLöschen
  4. Wunderschön geschrieben - *tränchen wegwisch* (blöde Hormone, das wird immer schlimmer ;) ) - und wie recht du hast. Und es ist so schön zu sehen wie in der heutigen Zeit der Vater immer und immer wichtiger wird (wenn ich da noch an meinen Papa denke) und die Männer mehr Verantwortung übernehmen. Tolle Bilder - da hast du wirklich zwei süße "Schnuckelchen" :)
    Liebe Grüße
    Manuela

    AntwortenLöschen
  5. Eine wunderschöne Liebeserklärung hast du geschrieben und mit noch wundervolleren Bilder vervollständigt! Es bleibt nur ein Zeichen zu setzen: <3

    Liebe Grüsse Alizeti

    AntwortenLöschen

Was sagst du dazu?

Hinweis:Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere persönliche Daten, wie z.B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Link Within

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...