Mittwoch, 30. September 2015

Sechzehnmonatskrümel

 Mein allerliebstes Krümelchen,

mit deinen nun sechzehn Monaten ...



... hast du schon ziemlich lange Haare. Man kann schon kleine Zöpfchen machen und sie hängen dir vorn schon fast in den Augen, aber Spangen und Haargummis findest du allesandere als toll.

... liebst du das Verstecken und Gefundenwerden noch immer.

... kannst du dich schon ziemlich lange selbst beschäftigen.

... gehst du seit vier Wochen zur Tagesmutter und 
fühlst dich dort ausgesprochen wohl. Trotzdem freust du dich immer unglaublich, wenn du abgeholt willst und rennst deinem Papa oder mir juchzend in die Arme.

... bist du unheimlich verschmust. Du liebst es, dich in Decken und Kissen zu werfen, dich an deinen Papa zu kuscheln, dich um unsere Hälse zu klammern und Küßchen zu geben. Nun endlich auch mit geschlossenem Mund ;)

... bist du auch liebevoll zu deinen Plüschtieren und Püppis. Du gibst ihnen Küßchen, willst sie füttern, gibst ihnen das Fläschchen und seit deiner Augenentzündung sogar Augentropfen.

... bist du ein echtes Naturkind. Du bist gern draußen an der frischen Luft und erkundest die Umgebung.

... läufst du wie ein kleiner Weltmeister, bist sehr ausdauernd und manchmal wirklich erstaunlich schnell.

... tobst du gern in deinem oder unserem Bett. Dein liebstes Spiel ist es, zu hüpfen, die Beine wegzuziehen und dich auf den Popo fallen zu lassen.
... bekommst du die ersten Steckformen schon in die richtige Aushöhlung.

... liebst du deine magnetische Maltafel heiß und innig. Du kritzelst nicht mehr, sondern malst richtig bewußte Kringel.

... stapelst du schon ordentlich hohe Türme.

...  turnst du unheimlich gern auf deinem Bobbycar herum. Wer will schon mit dem Po auf der Fläche sitzen, wenn man auch drauf stehen kann? ;)

... sagst du "Mama", "Papa", "Mäh", "Wau wau", "oh oh", "alle alle" und vor allem "zu".
Alles ist zu :D

... schaust du abends das Sandmännchen, winkst ihm zu, freust dich wie Bolle wenn die Titelmelodie erscheint und amüsierst dich köstlich über die Geschichten.

... hältst du unsere Welt und vor allem unser Herz komplett in deinen Händen.

Wir lieben dich!

Verlinkt bei Frollein Pfau

Montag, 21. September 2015

Herbstimpressionen im Hause Sonnenschein

Mit Jahreszeiten und Bloggern verhält es sich ja wie mit Wetter und Facebook.

Wer auf Facebook ist, braucht nicht mehr aus dem Fester zu schauen.
Wenn es schneit, posten das sowieso alle.
Und wer Blogger verfolgt, der weiß immer welche Jahreszeit gerade anbricht.
Nämlich dann, wenn es plötzlich überall vor lauter Herbst-/Weihnachts-/Osterstimmung
in den Posttiteln wimmelt. Da machen wir mal mit ;)

Ich muss ja ganz ehrlich sagen, dass ich hier viel mehr von den Jahreszeiten mitbekomme als zu Wohnungszeiten. Klar, aus dem vierten Stock sieht man auch alles. Aber im eigenen Garten spürt man doch ganz anders. Egal wieviel Arbeit es auch mehr macht, ich liebe unser Zuhause jeden Tag und jeden Tag mehr. Keinen Moment gibt es, in dem ich den Hauskauf bereut habe in den letzten vier Monaten. 

So, hier schon einmal eine Warnung:
Wer gerade keine Glück-und-Harmonie-Geschichten hören mag, der sollte sich nur die Fotos anschauen. Und wer keine Lust auf viele Fotos hat, wird hier keine Freude haben ;)
Hier möchte ich mich nämlich von Posseliesjes Herbstimpressionen anstecken lassen und euch ein bisschen zeigen, wie der Herbst in unserem Heim einzieht:


Die Tage beginnen eigentlich immer kuschelig. 
Krümelchen ist eine ganz vorbildliche Puppenmami.
Da ist immer ein hingebungsvolles Küßchen drin.

 Bei dem schönen frühherbstlichen Wetter geht's dann natürlich erstmal raus.
Hand in Hand erkunden wir den Garten.


Madame Katz muss noch drinnen bleiben.
Aber ab dem nächsten Frühjahr darf auch sie raus.


Der Sommer ist nun langsam vorbei.


Da hilft auch kein Gießen mehr ;)
Aber wir können trotzdem ordentlich was tun:
Den Pool ablassen und schrubben, die Planen putzen und 
ordentlich zusammenlegen. 
Immer unterbrochen von einer Runde
"Jag den Krümel".


Die letzten Auberginchen - ca. 3 cm groß. 
Satt werden wir davon eher nicht ;)


Endlich werden auch die Tomaten was.
Im nächsten Jahr können und werden wir viiiel früher mit allem anfangen.








Ernte. 
So habe ich mir das vorgestellt :)


Am Sonntagnachmittag geht es eine Runde in den Wald.
Ich als kleines Waldkind habe ja immer davon geträumt, auch später möglichst nah am Wald zu wohnen. Und hier sind wir, nur 100m von einem großen Waldgebiet entfernt :)


Für mich bedeutet der Wald immer Ruhe, Kraft tanken und ganz viel positive Energie. 
Hier kommen mir die besten Ideen und klarsten Gedanken.
Und auch Krümelchen fühlt sich wohl.





Wir haben dann auch gleich noch unser Abendbrot gefunden.
Natürlich war das nicht der Einzige ;)


Der Lieblingsmann hat uns dann noch eine neue Feuerstelle gebastelt. 
Für Feuer ist nämlich immer Saison.
Außer bei Waldbrandgefahr natürlich ;)
Im Hintergrund seht ihr Krümelchens "Kindergarten".
Schaukel und Buddelkasten haben wir eingezäunt, aber mit bequemer Durchgangslücke.
So hat die Kleine ihre ganz eigene Ecke vom Garten.
Nicht, dass ihr nicht eigentlich alles gehören würde ;)


 Mit Blick auf unser neues hausgemachtes Dach neigt sich der Tag langsam dem Ende.
Ich bin so stolz auf meinen Mann und all die Arbeit, die er in unser Heim steckt!



So, ihr habt es geschafft, die Bilderflut zu bewältigen :)
Ich fürchte schon Schlimmes für unser Jahresfotobuch ... das wird
garantiert ein Riesenwälzer, bei den vielen tollen Fotos die hier so entstehen.
Dieses mal mach ich das mal mit cewe-fotobuch.de. Ich freu mich schon jetzt drauf, 
aber bis zum Jahresende dauerts ja auch noch was .... am besten fange ich jetzt schonmal mit dem Sortieren an :)




Donnerstag, 10. September 2015

Balkon in neuem Glanz

Hallöchen meine Lieben,


Ich hatte euch doch vor einiger Zeit von meinem externen Sommerprojekt erzählt, ne?

Natürlich ist es schon ein kleines Weilchen fertig, aber 
die Fotos dazu bin ich euch noch schuldig.


Zur Erinnerung:
Meine allerbeste Freundin lebt in einer schicken Altbau-WG in Berlin-City.
Das einzig nicht so schicke: der Balkon.


Der Plan war klar.
Neue Farbe, neuer Boden, neuer Look.

Also haben wir uns an einem sonnigen Samstag im Juli
(ja, ich habe lange gebraucht :D)
zu einem schönen Frühstück getroffen und uns
dann mit Putzlappen und Malerrolle ans Werk gemacht.
Davon gibt es natürlich einige schöne Fotos,
die ich jetzt ebenso natürlich nicht auf meinem PC ausfindig machen kann.
Diese werden nachgereicht (spätestens zu Weihnachten ;) ).

Ich präsentiere nun ...


Ist das nicht eine kleine Oase geworden?
Wir sind sehr stolz und freuen uns sehr über das Ergebnis :)

Nächstes Projekt ist die Begrünung und Füllung der
Blumenkästen. Die stand erstmal im Hintergrund,
weil meine Lieblingsfreundin sich jetzt erstmal zwei Monate 
auf Fiji und in Australien rumtreibt.
Ich derweilen pflanze Blumenzwiebeln
und freue mich darüber, dass meine Tochter beim
morgendlichen Abschied nicht mehr weint.

So viel zum Klischee von City-Girl und Landmutti :)

Freitag, 4. September 2015

Der nächste Schritt

Die erste freudige Nachricht:
Unser Dach ist gedeckt.
Die grundlegenden Arbeiten (Neuauflattung, Unterspannbahnlegung, Überstandkonstruktion, Dachrinnenhalter und Deckung) sind geschafft. Die drei Wochen "Bauurlaub", in denen der Lieblingsmann mit Schwiegerpapa täglich 10 Stunden geackert hat - und das teilweise bei knappen 40°C - ist vorbei. Alles weitere entsteht jetzt am Wochenende.

Mir gefällt das Ergebnis unheimlich gut. Auch wenn eine neue Fassade erstmal in der Ferne steht, wertet das neue Dach unser Traumbauhaus doch schon unheimlich auf, oder was sagt ihr?



 Das nächste große Abenteuer
wartet nun auf unser Krümelchen.

Am Montag wurde unsere Maus 15 Monate und hatte ihren ersten richtigen Tag bei der Tagesmutter.
Die Eingewöhnung lief sehr unkompliziert ab, wir waren fünf Vormittage da, von denen ich bei dreien dann auch mal 1-2 Stunden gegangen bin. Das hat sie ganz perfekt gemacht, hat fröhlich zum Abschied gewunken und toll gespielt.
Dass der morgendliche Abschied nicht so fröhlich bleiben würde, habe ich mir schon gedacht. Jetzt, wo es jeden Tag so ist, meckert und schreit sie natürlich schon mal, beruhigt sich dann aber auch recht schnell wieder. Aber das kenne ich ja auch von Situationen mit den Omas, ich gebe sie ja auch nicht erst seit gestern zum Arbeiten in Betreuung. Sie kennt das, seit sie drei Monate alt war. Sicherlich, jetzt ist es nicht mehr Oma oder Papa, bei denen sie bleibt, sondern die Tagesmutti. Aber die ist wirklich wundervoll. Wir sind ganz glücklich, einen Platz bei ihr ergattert zu haben (zumal das der letzte Betreuungsplatz im ganzen Ort war). Sie ist einer dieser Menschen, mit denen man sich einfach super wohl fühlt. Ganz ehrlich, ich würde auch gern den Tag bei ihr bleiben ;)

Es klappt alles wirklich gut. Besonders erstaunlich finde ich, dass das Schlafen und Essen wohl ganz prima klappt. Beim Essen hatte sie ja immer die doofe Angewohnheit, alles ganz lange durchzukauen und im Mund zu behalten, um es dann einfach wieder auszuspucken, wenn der Geschmack draußen ist. Und schlafen an ihr noch fremden Orten ist auch oft so eine Sache. Aber zusammen mit den anderen Kindern (ein Mädchen, 3 Jahre und zwei Jungs, knapp 2 Jahre und 14 Monate alt) klappt es ganz prima. Jetzt muss sie nur noch lernen, Spielzeug zu teilen und damit umzugehen, dass es eben nicht immer nach ihrem Willen geht und nicht immer gleich eine Mama für sie springt. 

Diese neue Phase tut ihr wirklich gut. Die wachsende Selbstständigkeit, der Input anderer Kinder und vor allem der soziale Kontakt mit all seinen Lehrmöglichkeiten - das alles braucht sie jetzt. Und ich kann es ihr zuhause nicht mehr in diesem Umfang bieten. Sie braucht jetzt mehr als ihre Mama und ich gönne ihr das sehr. Mir natürlich auch. Wie befreiend ist es doch, zumindest an drei Vormittagen in der Woche einfach mal nach einem eigenen Zeitplan agieren zu können, ganz Unabhängig davon, ob das Kind alleine spielt oder den Mittagsschlaf macht. Dieses Stück mehr an Selbstbestimmtheit macht mich auch an den zwei Tagen, an denen ich Krümel erst zum Mittag zur Tagesmutti bringe (reine Wochenendmami will ich dann ja auch nicht sein), viel gelassener. 
Und Papa Bär freut sich über den dankbaren Job, die Kleine am Nachmittag abzuholen. Sie war ja bisher sehr auf mich fixiert und ist innerhalb dieser Woche schon fast zum Papa-Kind mutiert.

Ja, es ist eine spannende Zeit für uns alle. 
Ich bin so froh und dankbar dafür, dass wir unser Häuschen haben.
Es mag ja noch unheimlich viel zu tun sein, aber für uns ist es der schönste Platz auf Erden.
Dieser Sommer im Garten war auch für unser Kind wundervoll. Wie schade wäre es in der kleinen Vierter-Stock-Wohnung mit überhitztem Balkon gewesen, wo wir uns für jede Runde Natur in irgendeinen Garten hätten einladen müssen. Hier ist es perfekt.
Und nun freue ich mich schon sehr auf den kommenden Herbst und all die vielen Dinge, die wir noch tun werden.

Keine Sorge, direkt am Bildrand stand natürlich eine stützende Hand ;)
Fürsorgliche Puppenmutti.
Die Baubretter sind Krümelchens liebster Spielplatz.


Mittwoch, 2. September 2015

Die eierlegende Wollmilchsau oder Das Ding mit der Vereinbarkeit

Es gibt viele Themen, die die meisten von uns Müttern umtreiben. Eines der allgegenwärtigsten ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ob nun aus rein finanziellen Gründen, Leidenschaft zum Job oder einer der zahlreichen Graustufen dazwischen: Früher oder später kehren die meisten von uns in ihren alten oder einen neuen Job zurück. Mit den Konsequenzen zu leben ist nicht immer leicht, von einem auf den anderen Tag stellen wir uns dieser Doppelaufgabe (und ja, oft genug auch -belastung).

Ständig und überall ist da von Vereinbarkeit die und ich bin sicherlich nicht die Einzige, die sich fragt, ob es so etwas überhaupt geben kann.

Für mich lautet die Antwort: nein. Zumindest nicht so, wie es oft so schön propagiert wird: das vollkommene Familienglück plus glücklich arbeitender Eltern inklusive Friede, Freude und Eierkuchen. Und dann am besten noch ein immer sauberes Haus, ein unkrautfreier Garten und Kinder, die weder bockig noch jemals traurig sind. Na klar doch.

Vielleicht ist es ein Phänomen unserer Zeit, dass es ganz normal ist, alles zu wollen. Globalisierung und Emanzipierung sei Dank stehen uns so viele Türe - ja, die ganze Welt - offen. Alles ist möglich, also wollen wir auch möglichst viel davon haben. Auch ich habe noch meine eigenen Worte im Ohr: "Natürlich werde ich Karriere und Familie haben. Wieso sollte ich mich da für etwas entscheiden sollen oder irgendwo Abstriche machen?" Heute weiß ich es besser. Zum einen, weil ich seit drei Jahren im Berufsleben stehe, zum anderen verändert die Mutterschaft doch auch den Blick auf so einige Dinge.

Wenn ich mit gleichaltrigen Leuten mal auf einer Party zusammenstehe - die meisten sind gerade frisch mit ihrem Studium fertig und weit entfernt von Familienplanung und Co - werde ich häufig gefragt, ob ich nicht das Gefühl habe, etwas zu verpassen, so jung und dann schon verheiratet, Mutter und fest niedergelassen.
Natürlich verpasse ich etwas. Ich verpasse Partys, durchgetanzte Nächte, ein hippes und aufregendes Großstadtleben. Ich verpasse es, bis zum Morgengrauen in einer lässigen Altbau-WG-Küche mit noch lässigeren Leuten zu quatschen und dann bis zur Mittagszeit zu schlafen.
Aber verpassen eben diese Leute nicht auch eine Menge? Die bedingungslose Liebe beim Blick auf dein eigen Fleisch und Blut, das erste Kuchenzahnlächeln, aufgerissene Kinderarme und strahlende Augen beim Sändmännchengucken?

Wir verpassen immer etwas. Mit jeder Entscheidung, den großen wie den kleinen, verpassen wir das eine und gewinnen das andere. Worauf man den Fokus legen will, liegt an der eigenen halb-voll-oder-halb-leer-Einstellung.

Aber zurück zur allseits gewünschten eierlegenden Wollmilchsau: der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch hier treibt uns doch vor allem die Angst, etwas zu verpassen, zu schaffen.
Bleibe ich mit dem Kind zuhause, verpasse ich das Gefühl, auch außerhalb der eigenen vier Wände gebraucht zu werden. Ich verpasse es, effizient und konzentriert und auch mal nur für mich selbst arbeiten zu können. Ich verpasse es, Kollegen zu treffen, ordentliche Bürooutfits ohne Karottenflecken zu tragen und nicht nur über Kinderkram zu reden.
Gehe ich jedoch arbeiten und gebe mein Kind in Fremdbetreuung, verpasse ich garantiert den ein oder anderen wichtigen Moment im Leben meines Kindes. Ich verpasse viele erste Male und Entwicklungsschritte, bin nicht mehr der alleinige Mittelpunkt seines Lebens. Ich verpasse es, immer da zu sein, wenn es traurig ist oder sich weh tut und ich verpasse es, immer diejenige zu sein, die seine Tränchen vertreibt.

Der Hut, unter den all diese Wünsche und Bedürfnisse passen, wird wohl nie geschaffen werden. Es wird nie alles perfekt und so laufen, wie wir es uns vorstellen. Wir werden immer Kompromisse eingehen müssen und das auf allen Seiten. Das kann einen deprimieren. Oder man nimmt es als Herausforderung des Lebens an.

Lasst uns doch einfach nur Menschen sein, statt selbst zu eierlegenden Wollmilchsäuen werden zu wollen.
Lasst uns Entscheidungen treffen und zu ihnen stehen, nicht nur verbal vor anderen, sondern auch emotional vor uns selbst.
Lasst uns sehen, was wir gewinnen und nicht nur, was wir verpassen.
Gönnen wir uns und unseren Kindern, auch mal ohne einander eine gute Zeit zu haben. Oder gönnen wir es uns eben, all die guten und schlechten Momente des Lebens miteinander erleben zu wollen.
Lasst uns einfach das Leben mit all seinen Schikanen leben, anstatt uns ständig selbst unter Druck zu setzen.

Und vor allem: Lasst uns diese verdammte "Vereinbarkeit" zum Unwort der Mutterschaft erklären.

Alltagsroutine ?vs? Kindheitsgefühle

Gestern bin ich mit meinem Uraltrad zur Arbeit gefahren - was für ein Luxus. Und nur 1500 gemütliche Meter. 

Seit dem Ende meiner Grundschulzeit im Jahre 2000 waren meine Schul- und Arbeitswege nie weniger als 7 km lang. Keine Distanz, für die ich mich dauerhaft radfahrend erwärmen kann, so anfangsmotiviert ich es auch immer wieder versucht habe.

Auf dem Rückweg regnete es. Nein, es schüttete. Und innerhalb von 50 Metern war ich bis auf die Knochen durchnässt. Oder, um es anders zu formulieren: Ich fuhr patschnass in einem Sommerkleid durch den strömenden Regen, die Augen zu Schlitzen verengt, um wenigstens ein bisschen was zu sehen. Keine Ahnung, wie viele Jahre es schon her ist, dass ich das zum letzten Mal gemacht habe. Und ich konnte nicht anders, als dabei zu lächeln.

Es ging gar nicht anders, denn irgendwie hat sich diese Situation unheimlich nach Kindheit angefühlt. Dieses "Dann bin ich eben nass"-Gefühl, das einem irgendwann zwischen den ersten Haaren im Höschen und der ersten Steuererklärung verloren geht.

Ich habe immer gehofft, dass eigene Kinder einem diese Gefühle zumindest ein Stückchen
zurückbringen würden.
Diese "Ich kann nicht schlafen"-Aufregung vor dem Geburtstag, Ostern oder Weihnachten. 
Diese "Wie fühlen sich eigentlich gekochte Spaghetti an?"-Neugier.
Diese "Ich kletter da jetzt einfach mal bis ganz oben rauf"-Unbeschwertheit.

Kinder strotzen vor Lebenslust und Entdeckerfreude, fernab aller Absicherung und doppelten Böden. Für die sind wir Eltern da. Und so sehr wir uns an unseren quietschfidelen Kindern erfreuen, funktioniert unser Alltag oftmals nur mithilfe von Alltagsroutinen.
Sie geben Sicherheit, strukturieren unseren Alltag, helfen uns bei der zeitlichen Bewältigung des Eltern-Berufstätiger-Mensch-Spagats. Und sie helfen auch den Kleinsten dabei, sich auf all das Neue und Spannende zu konzentrieren, weil sie sich um den Rest nicht kümmern brauchen und können.



Gerade am Anfang eines Schuljahres richten sich die Eltern von Schulkindern (oder diese, die in ihrer Arbeit an das Schulsystem gebunden sind) automatisch in einer neuen Alltagsroutine ein. 

So auch ich.
Mein 15-Monats-Krümelchen geht nun zur Tagesmutter, drei Vormittage in der Woche habe ich nun komplett frei zur eigenen Verfügung jenseits von Kleinkind-(nicht-)Schlafrhythmen und Fremdbestimmung. Um mich mit dieser ungewohnten Freiheit nicht vollends zu verhaspeln, muss ich mir klare Strukturen setzen und genieße diese auch.

Und doch denke ich mir, dass ich eines bitte niemals vergessen darf: 
Einfach mal wieder Kindheitsgefühle aufkommen zu lassen. Nicht den Schirm einzupacken, weil es regnen könnte, sondern genau dann einfach mal rauszugehen und in Pfützen zu springen. Und vielleicht sogar auch in den Buddelkasten zu gehen danach. 

Ab und zu ein bisschen Kindlichkeit im Erwachsenenalltag tut gut, ein bisschen Verspieltheit im durchstrukturierten Alltag.
Ein Cupcake auf dem Henkel der Kaffeetasse.

Disziplin und Lebensfreude schließen sich nicht aus.
Es muss kein "versus" zwischen Alltagsroutine und Kindheitsgefühlen geben.

Für den September mag ich mir also ein großes Motto setzen:
Hör auf dein Herz. 
Und lass den Regenschirm zuhause.

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