Sonntag, 1. Februar 2015

Gehe deinen Weg

Das soll mein Monatsmotto im Februar sein. Obwohl, am besten doch gleich immer.
Das ist nämlich ein richtig gutes und wichtiges, wie ich finde.

Gehe deinen Weg.
Das beschränkt sich nicht nur auf die Mama-Ebene und darum soll es für mich in diesem Moment auch gar nicht gehen (auch wenn es natürlich immer präsent ist).
Mir geht es dabei vor allem um meinen Beruf und den Lebensweg, den ich eingeschlagen habe.
Nicht immer läuft es so, wie man es sich ausgemalt hat. Träume können sich verändern.

Wer schon länger mitliest, kennt ja ein paar Eckdaten über mich. Ich bin nach dem Abitur von Berlin nach Hamburg gezogen, um dort eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin zu machen. Dass die Bühne mein Ziel ist, wusste ich schon mit 12 und habe seitdem kontinuierlich mit Tanz- und Gesangsunterricht darauf hingearbeitet. Den so heiß ersehnten Platz an einer staatlichen Schule habe ich leider nicht bekommen, also wurde es eben die so renommierte Privatschule in Hamburg (ermöglichst durch meine wundervollen Eltern, denen ich unheimlich dankbar bin). Drei Jahre harte Ausbildung in Tanz, Gesang, Schauspiel, Sprechtechnik, Theaterwissenschaft, ein Kreuzbandriss und eine wiederholte Abschlussprüfung mit dem resultuerenden Titel "Staatlich anerkannte Bühnendarstellerin" später stand ich also da, rannte von Audition zu Audition - die wenige zu denen ich eingeladen wurde, auf die meisten Bewerbungen gab es Absagen oder gar keine Antwort - und präsentierte mich, gab mein Bestes. Und wurde nicht genommen. Immer "ganz nett", aber nie interessant oder passend genug.

Ich hatte schon damit gerechnet, dass es schwierig werden würde. Hatte man mir doch schon in der Ausbildung immer wieder gesagt, dass mein Rollenprofil etwas schwieriger sei und mein Typ wohl erst ab 30 gefragt werden würde. Ich solle am Ball bleiben und geduldig sein. Also jobbte ich nebenbei als Assistentin für einen Eventmanager, arbeitete einen Sommer lang schlecht bezahlt als Kostümassistentin für einen Kinofilm und ließ mich darauf ein, nach den Sommerferien in einer kleinen Musikschule als Klavier- und Gesangslehrerin anzufangen. "Erstmal, bis sich ein Bühnenengagement ergibt". Eine Woche vor Schulbeginn kam dann die Anfrage meines alten Tanzvereins, ob ich als Trainerin einspringen könnte bis zum nächsten Mai, erst da würde die angefragte Kollegin frei werden. Nun, ich fing an. Und ich bleib. Baute auf vier Kurse aus, führte Regie bei einer großen Show, bekam mehr Schüler in der Musikschule. Und noch eine weitere Lehrstelle. Und noch einen kleinen Trainerjob. Ratzfatz waren fünf Nachmittage in der Woche mit Unterricht gefüllt und ich habe ebenso schnell die Leidenschaft für das entdeckt, was ich da tat und bis heute, zweieinhalb Jahre später, tue.

Es war immer mein Traum, auf den Bühnen dieser Welt zu stehen. Wie erfüllend es sein würde, genau das anderen zu ermöglichen, hatte ich nicht erwartet. Ich liebe es zu unterrichten, anzuleiten und gemeinsam mit den Kindern zu erschaffen, wovon sie selbst nie dachten, dazu in der Lage zu sein. Ich liebe es, ihnen genau dieses Glücksgefühl zu geben, das auch mir gegeben wurde und das meinen Traum von der Bühne erst formte. Und ich liebe es, eine so große Rolle im Leben dieser Kinder zu spielen, sie zu motivieren und zu inspirieren.

Der Weg, den ich eingeschlagen habe, ist wunderbar. Bestimmt wäre ich auch auf der Bühne sehr glücklich gewesen, wenn es sich so ergeben hätte. Aber vieles, was ich jetzt habe, hätte ich dann wahrscheinlich nicht. Ein geregeltes Einkommen trotz Selbstständigkeit. Einen wundervollen Ehemann, der meinen Weg seit über neun Jahren mit mir geht. Eine unbeschreiblich tolle Tochter. Einen festen Lebensmittelpunkt.

Ich sage nicht, dass ich die Bühne komplett abgeschrieben habe. Aber für diesen Moment und auch die nächsten Jahre brauche ich sie nicht, um selbst drauf zu stehen. Mir reicht es, wenn ich ab und zu als Sängerin auftreten kann (und es sind schon zwei Hochzeitsbuchungen für dieses Jahr, juhu!).

Ich gehe meinen Weg und bin unheimlich glücklich damit.
Egal was die anderen machen. Egal, was die anderen sagen.
Und auch egal, dass dieser Weg kurze Nächte und tägliches Staubsaugen mit sich bringt.

Ich hoffe, auch ihr geht euren Weg. Und dass ihr ihn gern geht, auch wenn er euch in ungeahnte Richtungen führt.


In Liebe,

Euer Fräulein Sonnenschein

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